Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Bin ich unwürdig …? – Gedanken zum Evangelium am Montag der ersten Woche im Advent

Veröffentlicht am 28.11.2016

„Ich kann dieses ‚Herr, ich bin nicht würdig …‘ in der Messe einfach nicht mitbeten“, erklärte vor ein paar Jahren eine Frau in einem Bibelgespräch zur Begegnung von Jesus mit dem Hauptmann von Kafarnaum. „Ich habe jahrelang darum gerungen, dass ich nach dem ganzen Schrecklichen in meinem Leben endlich mein verlorenes Selbstwertgefühl wiederfinde – und jetzt, wo ich es gefunden habe, kann ich doch nicht jedes Mal in der Messe wieder beten, dass ich nicht würdig bin.“

Wie ist das mit der Würde des Menschen im christlichen Glauben?

Einerseits sind wir als Christen in der Taufe mit einer unverlierbaren Würde ausgestattet, sind gesalbt zu „Priestern, Königen und Propheten“. Andererseits bleibt uns aber als Menschen in der Begegnung mit Gott kaum etwas anderes übrig, als angesichts seiner Größe die eigenen Unzulänglichkeiten anzuerkennen und mit Petrus zu sagen: „Herr, geh weg von mir – ich bin ein Sünder!“

Aber geht es im Glaubenszeugnis des Hauptmanns von Kafarnaum wirklich nur um die Unterwerfung eines Menschen, der selbst das Befehlen gewohnt ist, unter die Befehlsgewalt eines größeren Herrn?

Ein Mensch nämlich, der allein deshalb vor dem Herrn das Knie beugt, weil der der Größere, Stärkere und Mächtigere ist, würde damit keinen Glauben im christlichen Sinne zeigen, sondern lediglich eine Haltung der Kleinheit, der Schwäche und der Ohnmacht. Und gerade das wäre dem Menschen und seiner Würde nicht angemessen.

Wenn der Hauptmann von Kafarnaum um ein Wort bittet, dann bittet er nicht allein um den Befehl des Herrn zur Heilung seines Dieners, sondern er bittet um jenes Wort, das im Anfang die Welt erschaffen hat, das sich Mose im brennenden Dornbusch geoffenbart hat und das die Propheten und Vorväter auf vielerlei Weise gehört haben – und das jetzt zum Menschen geworden ist.

Mit dem Hauptmann von Kafarnaum begegnen sich Mensch und menschgewordenes Wort. Der Hauptmann unterwirft sich nicht blind in seinem Glauben, sondern zeigt vielmehr, dass er in Jesus den gefunden hat, der wirklich würdig ist, dass man vor ihm das Knie beugt. Die Haltung des Hauptmanns ist also nicht würdelos, sondern betont vielmehr, wie sehr in Jesus Christus die wahre Würde zu finden ist.

Auch in jeder Eucharistiefeier geht es nicht darum, den Menschen klein zu machen, und noch weniger geht es um die Frage, wer unter den Gläubigen würdig oder nicht würdig ist, Christus in der Eucharistie zu begegnen. Leider wird in der Kirche immer wieder viel Kraft und Energie in unsinnigen und Diskussionen verschwendet, in denen es genau darum geht – als wäre es Aufgabe von Menschen, Christus vor der Begegnung mit angeblich unwürdigen Zeitgenossen zu bewahren. Und noch schlimmer und damit tatsächlich im Kern würdelos sind jene Diskussionen, die sich in diesem Zusammenhang um Fragen wie den richtigen Zuschnitt von Messgewändern, die richtige Sprache oder die richtige Hand- oder Körperhaltung drehen – Streit von Kleingeistern um einen kleinlichen Glauben.

Das Gebet vor der Kommunion ist Ausdruck des gläubigen Menschen, der wie der Hauptmann von Kafarnaum gerade sein ganzes Vertrauen in Christus setzt und in froher Zuversicht alles von ihm erwartet. Hier tritt also ein adventlicher Mensch auf, in dessen Leben das menschgewordene Wort seine ganze Wirksamkeit entfalten kann.

Cookie-Regelung

Diese Website verwendet Cookies, zum Speichern von Informationen auf Ihrem Computer.

Stimmen Sie dem zu?