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ReineFantasy? – Gedanken zur Lesung am Dienstag der Ersten Woche im Advent

Veröffentlicht am 30.11.2016

In Internetforen lese ich immer wieder mal, wenn es um die Bibel geht: „Was soll uns dieses Märchenbuch heute noch sagen?“ Wer so etwas schreibt, möchte die Bibel als Glaubensbuch diskreditieren und die darin gesammelten Texte als reine Phantasie abtun. Die Logik dahinter ist klar: Wenn Gott nicht existiert, so der Grundgedanke, dann muss folgerichtig auch alles, was über ihn gesagt wird, unsinnig sein.

Ok … dann ist die Bibel also ein Märchenbuch …

Als großer Fantasy-Fan frage ich mich allerdings, ob dieser Versuch, die Bibel zu marginalisieren und auch lächerlich zu machen, sich nicht letzten Endes als Eigentor erweist. Denn zum Einen haben selbst Märchen oft einen wahren Kern und nicht zuletzt eine Botschaft, zum Anderen greift das Pauschalurteil „Märchen“ für ein über Jahrhunderte entstandenes Glaubensbuch mit seinen vielen verschiedenen Texten, die ganz unterschiedlichen literarischen Gattungen angehören, schlicht und ergreifend zu kurz.

Es steht ja außer Frage, dass viele Geschichten gerade des Alten Testaments einer historischen Überprüfung kaum standhalten. Und schon die Schöpfungsgeschichten auf den ersten Seiten der Bibel sind ja keine Dokumentation eines Ereignisses im naturwissenschaftlichen Sinn, sondern literarische und lyrische Texte mit einer bestimmten Funktion.

Auch der Text des Propheten Jesaja, der heute in den Gottesdiensten verlesen wird, hört sich erst Mal nach Fantasy an, wenn da Wolf und Lamm, Panther und Ziege, Löwe und Kalb, Bärin und Kuh friedlich miteinander auskommen. Und wenn es dann auch noch heißt, dass das Kind sorglos vor der Höhle der Schlange spielt, kann man natürlich nur sagen: „Liebe Kinder – bitte nicht nachmachen!“

Dennoch hat der Prophet Jesaja kein Märchen geschrieben, wenn er eine friedliche Welt schildert, in der nicht nur die Kriege der Menschen ein Ende haben, sondern ein viel grundsätzlicherer Friede einkehrt. Jesaja zeigt, dass der kommende Messias nicht nur ein politischer Herrscher, ein König in der Nachfolge Davids ist, der Israel als politische Größe wiederherstellt. Der Messias, von dem Jesaja spricht, setzt gerade vor der Idee eines irdischen Königtums an und übersteigt dieses.

Mit Jesus, dem Gesalbten (=Christus), ist keine Politik zu machen. Es geht um eine viel tiefer gehende Veränderung der Welt, eine grundlegendere Hinwendung zum Guten, als es menschliche Politik jemals bewerkstelligen könnte.

Also doch Fantasy …?

Nun ja, in mancherlei Hinsicht ist tatsächlich eher zu erwarten, dass der Löwe Gras frisst, als dass die Menschheit sich in dieser Weise verändert. Und doch sucht Jesus damals wie heute nach Menschen, die sich von dieser Idee begeistern lassen. Ein adventlicher Mensch sein heißt, sich in der Ankunft Christi den Keim für diese veränderte Welt schenken und diesen jungen Trieb im eigenen Leben wachsen zu lassen. Aus dem Baumstumpf aller gescheiterten Pläne wächst ein neuer Anfang.

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